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What the hell is QueeringTransgenderingDragKinging about!?!
von simon wörmannIn diesem Text will ich einerseits die Begriffe Queer, transgender und Drag King erklären die für mich eng zusammen hängen. Im letzten Teil gehe ich näher auf Drag king performances ein und stelle die Frage, inwieweit die Aneignung von Ausdrucksweise, wie 'Maskulinität' subversiv, im Sinne von ' herrschende Ordnungen ins Wanken bringend', sein kann.. Der Begriff 'queer' ist in der deutschsprachigen Auseinandersetzung aus dem englischsprachigen Raum übernommen worden, wo er heute als Schimpfwort gegen Lesben und Schwule existiert. Queer steht im amerikanischen Englisch substantivisch für z.B. falsche Währung oder für Falschgeld. Umgangssprachlich ist also eine abwertende Zuschreibung, welche mit der Assoziation spielt, dass Homosexuelle so was wie Falschgeld sind, mit dem die straight world, die Welt der 'richtigen' Frauen und Männer, arglistig getäuscht werden soll. Queer hatte jedoch im Amerikanischen eine Reihe von Bedeutungen, bevor der Begriff sich auf die Verwendung gegen Homosexuelle einengte. Diese Bedeutungen standen allgemein im Zusammenhang mit Abweichung von Normalität: von unklarer Herkunft, sich nicht ganz wohl oder schlecht zu fühlen, nicht geradeaus (straight) zu sein, obskur, pervers, zickig, exzentrisch.( Hier zeigt sich das Überschneiden mit der Riot GRRRL-Bewegung!) Als Verb wurde es gebraucht im Sinne von: jemanden ausfragen oder lächerlich machen, aber auch zu lügen und zu betrügen. Die politisch Verwendung des Begriffs queer greift diese abwertenden Bedeutungen auf und kehrt sie um. So besteht eine queere Strategie z:B. darin, Wörter wie Kanacke, Hure, Schlampe etc. neu und positiv zu besetzen. Die Norm, und nicht mehr die Abweichung wird so in den Mittelpunkt gerückt und der Kritik freigegeben. Es ist auf Grund dieser Vielfältigkeit von Bedeutungen nicht einfach eine Entstehungsgeschichte von queer zu rekonstruieren. Auch ist fraglich, ob der Begriff mit der Übertragung in andere Kontexte seine politische Sprengkraft behält. In der BRD heißt z.B. ein Magazin Queer, welches sich explizit an ein dem Kommerz nicht abgewandtes, schwules, männliches Subjekt richtet. Engel schlägt demzufolge vor, statt queer, das Adjektiv 'pervers' zu verwenden, um "eine deutschsprachige heterosexistische Normalität zu provozieren" was wesentlich schwieriger zu übersehen/hören wäre: "Warum nicht im nächsten Semester ein Seminar 'Perverse Theorie' anbieten? Oder eine Postkarte: īLiebe Oma! Ich würde gerne einige Tage mit meiner perversen Freundin bei dir auf dem Land verbringen." (Engel 1996,85f). Hinzu kommt, dass der Begriff einen Anspruch auf Zeitbedingtheit und Unbestimmtheit signalisieren soll. Als der Entstehungsort einer 'queer movement' wird jedoch immer wieder auf die Lesben- und Schwulenbewegung der USA der 80er hingewiesen, die nach (neuen) Möglichkeiten und Strategien suchte, der mit dem Aufkommen einer öffentlichen Diskussion über AIDS wiedererstarkten Homophobie etwas entgegenzusetzen. Queer steht somit heute für eine Reihe von positiven Selbstaneignungs- und Umdeutungsstrategien von abgewertenden und verletzender Zuschreibungen, nicht nur im Bereich sogenannter sexueller 'Abweichung'. Zusammengefasst und vereinfacht ließe sich sagen: Aus einer Politik der Konstruktion abweichender Identitäten und der Kritik daran, entstand der durch Aneignung gefundene und durch Vorläufigkeit und Unbestimmtheit geprägte Begriff queer. Der Begriff 'Transgender' wurde in den 70er Jahren von Virginia Prince geprägt, die ohne hormonelle oder chirurgischer Angleichung vollständig im sogenannten anderen Geschlecht lebt. Prince fand sich weder in dem durch und durch medizinisch geformten Beriff 'Transsexualität' noch in der Kategorie des Transvestismus wieder. Mit dem Begriff Transgender gab sie ihrer Lebensform, die im herrschenden Diskurs unsichtbar war, einen Namen. Von der Transgenderbewegung der 90er Jahre wird der Körper nicht länger als die Basis der Geschlechtszugehörigkeit anerkannt: Menschen mit männlichem Körpern leben als Frauen, Menschen mit weiblichen Körpern als Männer, wieder andere leben in beiden Geschlechtern oder fühlen sich keinem Geschlecht zugehörig. Gerade in dem Widerspruch und der Unbestimmtheit wird die transgender Identität verortet. Der gemeinsame politische Nenner der TransBewegungen ist zum einen die Kritik an der sozialen Konstruktion der Zweigeschlechtlichkeit, also der Tatsache, dass in den meisten Gesellschaften menschen als 'entweder Frau oder Mann' bezeichnet werden und dieses Wissen als unantastbare Natur dargestellt wird. Zusätzlich dazu kritisieren Transpolitix nicht nur die alltäglichen geschlechtlichen Zuschreibungsrituale, sondern auch die Normierungsprakriken der Schulmedizin und der Sexualwissenschaft, welche z.B. bis heute Intersexuelle ( Menschen mit 'uneindeutigen' Genitalien) pathologisieren durch geschlechtsangleichende Operationen unsichtbar machet. Zusätzlich dazu werden diejenigen, die das aufgedrückte Geburtgeschlecht sichtbar wechseln wollen, durch das Transsexuellengesetz rigiden Normen wie (z.B.) Zwangstherapie- und OP, unterworfen. Drag Kings "When asked: 'What is a drag king'? I reply: 'Anyone (regardless of gender) who conciously makes a performance out of masculinity'"( Del La Grace Volcano, 1999,21). Drag kings sind, zu einem Großteil FrauenLesben, Transgender und Transsexuelle und Cross-DresserInnen du andere Queers (crossdressing: Bezeichnet das Tragen von Kleidung, die im System der Zweigeschlechtlichkeit dem anderen Geschlecht zugeordnet wird und kann auch den Versuch beinhalten, dadurch das andere Geschlecht glaubwürdig oder parodistisch darzustellen). Die Drag Shows inszenieren bewusst übertriebenen Stereotypen von Männlichkeit und Weiblichkeit und können meiner Meinung nach durch das Potential der Subversion als ein Angriff auf dominante gender- Regime gelten. Die Geschlechterdarstellungen orientiert sich dabei nicht an 'der Realität', sie setzten nicht voraus, dass es ein Original gibt, welches parodistisch imitiert wird. Vielmehr geht es gerade um die Parodie der Vorstellung eines Original als solchem. Somit offenbart die Geschlechter- Parodie dass die "ursprüngliche Identität, der die Geschlechteridentität nachgebildet ist, selbst nur eine Imitation ohne Original ist". Ein King 'ist' genauso das Original (und zugleich die Fälchung) wie der sexistische, sich an den Eiern kratzende Macker in der Pommesbude, der Goldkettschenzuhälter, Barbie in Natur oder der Mercedes fahrende 24-Studen Workoholic mit Laptoptasche. Dabei wird in den Shows der Blick nicht nur auf die Konstruktion von Geschlecht, sondern (allerdings deutlich seltener) auf die Konstruktion von "Rasse" gelenkt wenn sich z.B. die Performerin Lustivious von "H.I.S. Kings,( einer Gruppe von etwa 20 Frauen, die seit 1996 in Colimbus, Ohio auftreten" (siehe, Piontek, 178), während einer Show mit schwarzer Schuhkreme ihr Schwarzes Gesicht schwarz färbt. Die bewusste Aneignung von symbolischen Codes kann meiner Meinung nach als ein subversiver Akt gelesen werden, der damit droht die etablierte Ordnungen in die Luft gehen zu lassen, weil er die Herstellungsmomente der dominaten Ordnung entblößt. Dabei geht es aber nicht (nur) um ein Spiel, die Aneignung findet auch außerhalb der Bühne, im Alltag statt, wenn z.B. weiblich sozialisierte Wesen aufhören die weibliche Rolle zu inszenieren oder sie bewusst In-Szene setzen, wie es Rriot Grrrls tun, die sich Wörter wie Bitch oder Hure auf den Körper schreiben, Transgender in der sicher geglaubten Geschlechterordnung auftauchen oder Schwarze Menschen durch das Aufgreifen abwertender Bezeichnungen wie Kanacke, Gastarbeiter etc. Ethnisierungspraktiken und Rassismus sichtbar machen. Oftmals wird, bezogen auf Geschlecht, an dieser Stelle argumentiert, dass es sich 'bloß' um eine Aneignung von (böser!) Männlichkeit handelt. Aneignung und Umarbeitung von Maskulinität durch lesbische oder transgender Männlichkeiten kann aber nicht nur als Teilhabe an bestehenden Machtungleichheiten verstanden werden, sondern auch als eine Form von Widerständigkeit gegen eben jenes zwangsheterosexuelle System, welches Mädchen vorschreibt Mädchen und keine Jungen und Jungen vorschreibt Jungen und keine Mädchen zu werden. UmarbeitungsPraxtiken von lesbischen und transgender Männlichkeiten rufen zur Zeit auch intensive Streitszenen hervor: Rivalitäten zwischen den einzelnen 'neuen' Männlichkeiten führen zu zahlreichen Auseinandersetzungen. Engel skizziert diese Grabenkämpfe sehr treffend; sie schreibt: "'Die Grenzkämpfe zwischen (...) butches* und ftms* scheinen auf der - von allen Seiten geteilten - Annahme zu beruhen, Maskulinität sei eine begrenzte Ressource, nur für wenige verfügbar und in ständiger Abnahme begriffen.' Die beliebtesten Anschuldigungen in diesen Grenzkämpfen sind folgende: Lesben werfen den ftms vor, Verräter zu sein und zum Feind überzulaufen; ftms unterstellen den butches, ein nettes Spiel zu betreiben und Maskulinität nach Lust und Laune an- oder abzulegen; butches sagen von ftms, sie seien einer biologistischen Anatomie-Gläubigkeit verfallen; ftms empfehlen butches ihre transphobe Angst zu überwinden und endlich zu ihrer ftm-Identität zu finden. Interessant ist, dass diese Argumente zugleich rethorische Abgrenzungsversuche wie auch Vereinnahmungstendenzen sind: Sie beinhalten neben dem Versuch, die eigene Besonderheit zu behaupten auch die Botschaft: 'eigentlich gehört ihr doch zu uns'". (Engel, 2000,.81) Ich teile Engels Einschätzung und verstehe Aneignung und Umarbeitung von Maskulinität durch lesbische und transgender Männlichkeiten als eine Möglichkeit, in bestehende Geschlechterhierarchien und damit verbundene Zwangssysteme einzugreifen und diese zu stören. Wichtig erscheint mir dabei der Hinweis, dass das subversive Potential von angeeigneter Maskulinität immer situations- und kontextabhängig ist und nicht per se besteht. Ich denke deshalb, dass eine Zusammenarbeit von transgender- Bewegung, Queer- und FrauenLesbenbewegung, von feministischer Theorie- und Praxis, denn in allen Bewegungen geht es darum, andere gesellschaftliche Formen des Zusammenlebens zu entwickeln als die bestehende patriarchale. *butsch: maskulkin auftretende Frau *ftm: Frau zu Mann Transe Literatur: (K)ein Geschlecht oder Viele? Transgender in politischer Perspektive, Polymorph 2002, Querverlag Engel Antke (1996): Verqueeres Begehren, in: Hark, Sabine: Grenzen lesbischer Identitäten, Berlin, 73-95 Engel, Antke (2000):Umverteilungspolitiken: Aneignung und Umarbeitung der begrenzten Ressource Maskulinität in lesbischen und transgender Subkulturen. In: Die Philosophin, Bd. 22. Tübingen Piontek, Thomas: Drag Kings und die Performance des Postmodernen Geschlechts: Testcard Volcano, Del La Grace (1999) : A kingdom comes. In: The Drag King Book, London www.postgender.de ( zum Thema intersex) |