Perspektiven: Wie interpretieren wir das "Lesen der Bilder"?
Fellmann, F. (1997): Wovon sprechen die Bilder? - "Bilder sind eine eigene Wissensform, die an schon bekannten Gegenständen noch unerkannte Zustandsqualitäten hervortreten läßt." (157) "Perspektiven für eine Medienhermeneutik": die "Computerkunst", die "computergestützte Bild-Erzeugung" (159): Die elektonische Bild-Erzeugung gibt Anlaß, über Möglichkeiten und die Notwendigkeit einer neuen Kritik der Bilder nachzudenken." Und zwar entgegen der <Tradition der> "Objektästhetik" (159) - also: "neue Perspektiven für eine Medienhermeneutik" (159)
Deleuze, G. (1995): Francis Bacon - Logik der Sensation: Die Rezension in der FR, Di, 28.11.95 (Literaturbeilage); durch Christoph Menke: “Deleuzes Deutung von Bacons Kunst läßt das Verhältnis von Bild und Text in seiner Komplexität, mehr noch: sie läßt es als ein Verhältnis der Übermächtigung, des Widerstands, des Kampfes erscheinen.” “Wie prekär das Verhältnis zwischen Bild und Text ist, bringt Deleuzes Arbeit schon im scheinbar Äußerlichsten ihrer Gestalt zum Ausdruck. Denn sein Buch besteht aus zwei Büchern: einem Text- und einem Bildband. (...) Der Blick wird gespalten in zwei Weisen des Sehens, von denen die eine, lesend und verstehend, einer ´zerebralen´ Logik des Sinns, die andere, wahrnehmend und empfindend, einer affektiven ´Logik der Sinne´ (Deleuze) folgt.” “Deleuze (...) betreibt eine Apologie der Malerei im Widerstand gegen die epochale Herrschaft des Digitalen, des Kodes, des Textes.” ...
Scherer, B. M. (1998): Wandel der Bildwelten, der Bildkulturen: „Nun vollzieht sich am Ende des 20. Jahrhunderts ein tiefgreifender Wandel in Europa, am deutlichsten abzulesen in den Metropolen. Durch eine Migration von bisher nicht gekanntem Ausmaß ändern sich urbane Räume wie individuelle und soziale Lebenswelten. Diese Prozesse lösen das europäische Selbstverständnis homogener nationaler beziehungsweise auch lokaler Identität auf. Zunehmend leben Menschen nebeneinander, deren kulturelles Wissen aus ganz verschiedenen Traditionen gespeißt wird. Die Menschen, die von außen kamen, leben oft zwischen den Kulturen. Sie nehmen eine Außen- wie eine Innenperspektive zur europäischen Kultur ein. Sie erleben das europäische Großstadtleben der Gegenwart vor dem Hintergrund ihrer jahrhundertealten, nichteuropäischen Kulturen. Aber auch letztere stehen ihnen nicht mehr ungebrochen zur Verfügung. Ihre Heimatländer sind, wie Salman Rushdie es nennt, gespeißt aus der Erinnerung. Das Aufgeben der Heimat bedeutet für diese Menschen, Gewißheiten aufzugeben, die Bruchstückhaftigkeit von Wissen anzuerkennen. Lebensgeschichten erscheinen nicht linear, sondern durch Diskontinuitäten gebrochen. Überhaupt wird die Linearität der Zeit aufgegeben, da angesichts der Zeitgleichheit religiös geprägter und säkularer Lebensformen in denselben Milieus die zeitliche Trennung in moderne und vormoderne traditionelle Lebensformen aufgehoben ist.“ (B. M. Scherer 1998; 56) Exemplizierend (Jai Young Park): Wir sind „mit einem dynamischen Prozeß der Bildkonstitution konfrontiert. Diese Bildbeziehung (...) wird vom Betrachter in einem sinnlichen Erfahrungsprozeß erzeugt.“ (58)
Dencker, Klaus Peter (Hg.) (1995): Weltbilder Bildwelten. Wandel der (Wahrnehmung und Gestaltung) der Bilder, der Bildwelten durch die Digitalisierung; das Lesen der Bilder verändert sich...
Problem: Von welchem Begriff, von welchem Konzept der Künste, der Kunstmedien und der Medienkünste geht man aus?
M. Seels Kritik der (Theorie der ) Ästhetik der Medien (1993):
"Medienkunst wie jede andere Kunst nicht primär eine Kunst des Seins oder Scheins, sondern eine Kunst des Erscheinens" (773). "Vor Sein und Schein kommt das Erscheinen." (776) Aber: wir dürfen "nicht vergessen, daß uns eine tragfähige Phänomenologie des virtuellen Raums - das heißt des Sichbefindens in solchen Räumen - noch gänzlich fehlt, weil wir bis jetzt nur Schwundstufen kennen." (777) Die "Aufgabe, der sich eine wildgewordene Medienästhetik mit großem Aufwand entzieht": "hier müßten alle Unterscheidungen(!) neu bedacht werden, die es braucht, um die neuen Wirklichkeiten angemessen zu beschreiben - zwischen Sein und Schein, Wahrheit und Lüge, Fiktion und Nicht-Fiktion, zwischen ästhetischen und nichtästhetischen Dingen, zwischen den Arten der Prozessualität alter und neuer Kunstwerke, zwischen digital und material kodierten Werken - und vielem anderem mehr. (...) Ohne solche Unterscheidungen ließe sich die komplexe Struktur von Werken wie denjenigen Hills oder Naumanns weder erkennen noch beschreiben (...)." (783)
Beobachtungen: Welches Wissen über die Entwicklungen und die Veränderungen des Lesens der Bilder haben wir derzeit?