Gross, S.: Lese-Zeichen. Kognition, Medium und Materialität im Leseprozeß. Darmstadt 1994.
„´Lese-Zeichen' macht nicht zuletzt deutlich, daß der Einrgiff der gegenwärtigen Medienrevolution in Lesegewohnheiten und vorbewußte, physiologisch verankerte Abläufe viel tiefer geht, als auf den ersten Blick ersichtlich ist." (5) - <Aber genau davon handelt ihr Text leider nicht mehr... >
„Psychophysiologie des Lesens": „Das Lesen ist also bereits auf der visuell-kognitiven Ebene erstaunlich wenig sequentiell"... (15) „Lesen ist ein Prozeß der Sinnproduktion" (15). „Lesen heißt ständig Entscheidungen treffen, die den LeserInnen selbst zumeist nicht bewußt werden." (18) „Lesestrategien" (22) sind wirksam, aber „nicht vom Bewußtsein gesteuert", sondern „´automatisch´" (22); es besteht „ein Wechselspiel von Lesestrategien und Textstrategien" - Lesen sei also „interaktiv" (24), eben „die Interaktion von Leser und / Text" (28/29).
„Literarisches Lesen bedeutet (...), den Leseprozeß selbst im Lesen zu reflektieren." (31) Dh.: „Was die kognitive Psychologie auf vorbewußter Ebene zu testen versucht, fördert der literarische Text selbst zutage." (30) „So entautomatisiert und thematisiert der literarische Text Bewußtseinsvorgänge, die üblicherweise vorbewußt bleiben, und hebt sie in das Bewußtsein von Leserin oder Leser." (31)
Dies zeigt Gross, dies exemplifiziert sie am Beispiel eines Jandl-Gedichts: „"Zunächst wird beschrieben, was vermutlich während der wenigen Sekunden passiert, in denen der Leser oder die Leserin einen kurzen Text beim ersten Lesen überfliegt und erfaßt." (35) Das gleichsam auf dem „Weg der Introspektion" (35) als ein (wohl auch poetologisch intendiertes) „Verlangsamen und Bewußtmachen kognitiver Abläufe" (41), durch eine „genaue, kognitiv gestützte Analyse des Leseprozesses" (44) - <de facto aber auf prozeß-begleitender wissenschaftssprachlich artikulierte Reflexion gestützte> „Mikroanalyse des Lesens" (45), „Mikrogeschichte der Textlektüre" (45).
„Schrift/Bild", „Materialität des Textes", Schriftbild usw. (46ff): „Texte sind sichtbar gemachte Sprache, visible language." (60) „Der Text als Lesefläche" (61). „Der Text als Lesepartitur" (68)...
„Bild" (88ff): „Theorie der Bildwahrnehmung" (88ff). Lesen der Bilder (und der Texte): „die Ordnung des Blicks, die der Rezeption von Text und Bild gleichermaßen zugrunde liegt" (100); „Parallelität des Lesens von Texten und Bildern" (105)...
„Lesen": „vollzieht sich (...) in Form einer visuellen und kognitiven Bewegung durch den visuellen Text"... (117). „Als Diskursformen und Medienartefakte stellen Schrift- und Bildtexte Raumobjekte und Zeitarchive zugleich dar." (121)