Das Verhältnis ändert sich erheblich bei der Digitalisierung der Texte:

Schreiben und Lesen im Netz (Sandbothe):

"Die Hypertexttechnologie hat tiefgreifende Auswirkungen auf das Schreiben und Lesen von Texten." (Sandbothe 1997; 72) "Jeder Leser hinterläßt bei der Lektüre seine eigene Spur im Text. Oder besser: jeder Leser komponiert den Gegenstand seiner Lektüre durch aktive Selektion der vorgegebenen Links. Die individuelle Rezeptionsperspektive bestimmt die Abfolge der Textbausteine. Lesen ist nicht länger nur der Vorgang der Rezeption einer fixen, linear abzuarbeitenden Sequenz, sondern wird zu einem Prozeß der mehrdimensionalen, kreativen Interaktion zwischen Autor, Leser und Text. Auch das Schreiben von Texten verändert / sich. Schreiben wird zu einem Geschehen der produktiven Vernetzung assoziativer Komplexe. Die vielfältigen Beziehungen, die zwischen den verschiedenen Gedankengängen bestehen, lassen sich durch Hyperlinks festhalten und repräsentieren." (Sandbothe 1997; 72/73) "Unter Hypertextbedingungen werden Schreiben und Lesen zu bildhaften Vollzügen. Der Schreibende entwickelt ein netzartiges Gefüge, ein rhizomatisches Bild seiner Gedanken. (...) Es besteht aus einer Pluralität unterschiedlicher Pfade und Verweisungen, die der Lesende zu neuen Gedankenbildern formt, die sich aus dem Zusammenspiel zwischen der offenen Struktur des Textes und den Interessen und Perspektiven des Lesenden ergibt." (Sandbothe 1997; 73) Allerdings setzt das Lesen und Schreiben in hypertextuellen, hypermedialen Umgebungen Medienkompetenz voraus: Das "eigentliche, dem neuen Medium angemessene Schreiben und Denken im Hypertextstil" stellt "noch eine anspruchsvolle Zukunftsaufgabe dar. Schulen und Universitäten, Lehrer, Wissenschaftler und Autoren müssen darauf erst noch vorbereitet werden." (Sandbothe 1997; 74)

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