Homeshopping - eine virtuelle Einkaufswelt eröffnet sich zuhause
(Dr. Michael Otto, Otto Versand)
"Von zentraler Bedeutung ist die Entscheidungsfindung des Nutzers, wann und in welche Sortimentsschwerpunkte er tiefer einsteigen will."
Dem zeitraubenden Einkaufsbummel in zunehmend autofeindlichen Innenstädten setzt der Versandhandel seit jeher eine bequeme, sympathische Alternative entgegen. Mit einer persönlichen telefonischen Bestellannahme an 365 Tagen im Jahr - rund um die Uhr, also Tag und Nacht - und einem 24-Stunden-Lieferservice nach dem Motto "heute bestellt morgen geliefert" hat beispielsweise der Otto Versand die systembedingten Nachteile des Versandhandels einer zeitverzögerten Kundenbelieferung aufgefangen.
Zukünftig wird es darauf ankommen, neben einer Ausweitung der Servicefunktionen speziell die Beratungsleistung für die Kunden zu verbessern. Für den Versandhandel bedeutet dies einerseits die eindimensionale Warenpräsentation auf einer gedruckten Katalogseite zu überwinden. Andererseits geht es darum, den Kunden alle Möglichkeiten einer intelligenten, unkomplizierten Warenauswahl und damit eine neue Dimension der Entscheidungsfindung zu eröffnen.
"Zeige mir alle blauen Pullover in Größe 38 unter DM 60,-". Beim Blättern im Otto Katalog auf CD-ROM präsentiert der Bildschirm bereits seit Juli 1994 in Sekundenschnelle und in einer Kombination aus Bewegt- und Standbildern die gewünschte Auswahl per Mausklick. Kombinationsartikel lassen sich schnell zusammenstellen. Der Maßservice hilft bei der individuellen Bestimmung der Kleidergröße. Über die vorhandene Telefonleitung kann mittels eines handelsüblichen Modems interaktiv direkt mit dem Otto Versand kommuniziert und bestellt werden. Der Kunde erhält online die Lieferauskunft. Derartige intelligente Funktionen mit Selektionsmöglichkeit, Bewegtbildern und Rückkanal sind die Grundvoraussetzungen für zukunftsgerichtetes Teleshopping im Rahmen interaktiver Fernsehprojekte.
Interaktives Teleshopping bietet große Chancen, die Interaktion zwischen Käufer und Anbieter im Sinne einer vielseitigen Zwei-Wege-Kommunikation, die über die herkömmlichen Wege und Möglichkeiten hinausgeht, zu verbessern. Die Pilotprojekte für das interaktive Fernsehen in Deutschland sollen Aufschluß geben darüber, ob dieses Medium die Anforderungen der Zuschauer hinsichtlich jederzeitiger Nutzungsmöglichkeit, freier Beweglichkeit innerhalb der Programme und Angebote ohne vorgegebene Routine sowie medienadäquater Präsentation der Produkte erfüllen kann. Bei den anstehenden Pilotprojekten zum interaktiven Fernsehen ist von großer Bedeutung, daß in Zukunft die technischen Standards für die Projekte vereinheitlicht werden und bereits vorhandene digitale Produkte bei der Programmgestaltung zum Einsatz kommen können. Darüber hinaus ist es wichtig, daß die Anzahl der an den Projekten beteiligten "interaktiven Haushalte" groß genug ist, um zu aussagekräftigen Ergebnissen zu kommen. Zu klären ist nach wie vor auch, wie der Preis für die Nutzung der interaktiven Dienste zu bewerten ist. Für private Nutzer muß der Zugang preislich attraktiv sein. Im Gegensatz zu Filmanbietern, die im Zuge von "Video-on-Demand" ein "Pay-per-View-Verfahren" bevorzugen können, ist die Preisgestaltung für den Zugang zu einem Warenangebot anders zu definieren.
Ungeachtet der interessanten Zukunftsperspektiven für Anbieter und Verbraucher wird eine breite Nutzung des interaktiven Fernsehens als Massenmedium jedoch wohl nicht mehr in diesem Jahrtausend erfolgen. Die Technik der CD-ROM wird zunächst der entscheidende Zwischenschritt dorthin sein und damit eine erste Möglichkeit in eine virtuelle Einkaufswelt eröffnen.