Ist die Informationsgesellschaft sauberer? Entlastung der Umwelt durch neue Kommunikationstechnologien
( Dr. Andreas Troge, Umweltbundesamt)

"Moderne Informations- und Kommunikationstechnologien bieten Chancen, aber auch Risiken hinsichtlich zukünftiger Umweltbelastungen. In welche Richtung das Pendel ausschlagen wird, ist heute kaum absehbar."

Aus der Zeit, als die ersten Arbeitsplatzrechner die Schreibtische eroberten, ist uns der Wunsch nach einem "papierlosen Büro" noch in guter Erinnerung. In den meisten Büros ist das Gegenteil eingetreten - der Verbrauch von Büro- und Administrationspapieren nimmt von Jahr zu Jahr zu. Die einfache technische Realisierbarkeit eines Ausdrucks und sicherlich auch der Wunsch, etwas wirklich "schwarz auf (recycling)-weiß" in der Hand zu halten, haben - zumindest in sehr vielen Büros - die ausschließlich elektronische Bearbeitung von Vorgängen noch in weite Ferne gerückt.

Mit dem Aufbau von nationalen und weltweiten Datennetzen ist nun ein neuer Gedanke immer lauter zu hören: Verringerung von Umweltbelastungen aus Transport von Menschen und Gütern durch moderne Informations- und Kommunikationstechnologien. Viele Routinetätigkeiten können einfacher und weniger umweltbelastend ausgeführt werden. Das Homebanking am eigenen PC vermeidet die Autofahrt zur Sparkasse. Überweisungen (und entsprechende Bestätigungen) werden elektronisch übermittelt - ohne Papier (!) und Fahrten von Postfahrzeugen. Mitarbeiter verbringen einen Teil ihrer Arbeitszeit zu Hause am eigenen PC - die Fahrten zum Arbeitsplatz werden überflüssig. Und schließlich läßt sich auch manche Dienstreise nach Übersee durch eine Videokonferenz ersetzen.

Die Liste von Beispielen ließe sich noch weiter fortführen. Man ist also geneigt, die im Titel gestellte Frage zunächst zu bejahen. Aber bringt die informationstechnische Aufrüstung der Gesellschaft wirklich nur Entlastungseffekte für die Umwelt?

Auf der Belastungsseite sind zunächst die Folgen durch die Installation der Hardware zu nennen: Die Zahl der unter beträchtlichem Energie- und Ressourceneinsatz hergestellten Rechner und Peripheriegeräte wächst ständig. Gleichzeitig veralten die Geräte immer schneller. Professionelle Anwender tauschen ihre Anlagen zuweilen schon nach zwei Jahren wieder aus. Das Umweltbundesamt schätzt den Anteil von Computern am Elektronikschrott auf 150.000 Tonnen pro Jahr. Auch der Energieverbrauch der häufig im Stand by-Betrieb laufenden Geräte hat sich zu einem nennenswerten Faktor ausgeweitet. Hier sind also Innovationen zur Entlastung der Umwelt erforderlich. Das Umweltzeichen "Blauer Engel" für Computer benennt einige der wichtigsten Eckpunkte: Nachrüstbarkeit der Geräte (insbesondere mit größeren Arbeitsspeichern und schnelleren Prozessoren), geringerer Energieverbrauch (unter anderem durch einen automatischen Energiesparmodus) und Vermeidung von Verbundmaterialien. Schließlich werden auch eine Rücknahmeverpflichtung des Herstellers gefordert und bestimmte Gefahrenstoffe ausgeschlossen. Beim Aus- und Aufbau der IT-Infrastruktur wird die Umweltverträglichkeit der Hardware eine immer stärkere Bedeutung erhalten.

Aber auch die Umweltentlastungseffekte, die mit den obigen Beispielen illustriert wurden, sind zumindest teilweise mit Fragezeichen zu versehen. Bedeuten doch weltweit vernetzte Informationswege auch eine Zunahme an weltweiten Kontakten zwischen Menschen. Damit wächst vermutlich auch der Wunsch und das Bedürfnis nach Kommunikation von Angesicht zu Angesicht. Die Zunahme der elektronischen Kontakte könnte also auch eine Zunahme von Reisen - über immer weitere Entfernungen - nach sich ziehen. Der elektronische Kontakt würde zum Initiator für den Transport von Menschen und Gütern - mit den damit verbundenen Umweltbelastungen. Auch läßt sich bei vielen Formen der Kommunikation ein persönlicher Kontakt nur schwer ersetzen: Vertragsverhandlungen dürften auch über ein technisch verbessertes Videokommunikationssystem nur in ungewohnter Atmosphäre zu führen sein.

Moderne Informations- und Kommunikationstechnologien bieten also Chancen, aber auch Risiken hinsichtlich zukünftiger Umweltbelastungen. In welche Richtung das Pendel ausschlagen wird, ist heute kaum absehbar. Es gilt also, heute die Weichen so zu stellen, daß die neuen Informationstechniken insgesamt nicht zur Erhöhung des Ressourcenverbrauchs und der Umweltbelastung führen. Dazu gehören insbesondere die Entwicklung und der Einsatz umweltverträglicher Hardware, der Ersatz von Routinefahrten und -reisen durch elektronische Techniken und der zunehmende Ersatz gedruckter Informationen durch elektronisch gespeicherte.

Informationskompetenz - Übersicht

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