Leseförderung: wozu?

Volker Schwarz (1997): "Leseförderung gleich Wirtschaftsförderung" (Schwarz 1997; 73); "die Lese- und Medienförderung als Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Arbeitsmarksituation in Deutschland und Europa" (75).

Für wen? Wie?

Leseförderung: die (literatur)didaktiktische Perspektive(n):

Hurrelmann/Elias (o. J.): "Leseförderung in einer Medienkultur":

"Es geht darum, den Lesen seinen Platz im Medienensemble zu sichern, es als eine kulturelle Praxis zu stabilisieren und zu stärken." (Hurrelmann/Elias o. J.; 3) Denn "das Lesen" wird "mit Recht als eine Basiskompetenz für den selbstbestimmten, reflektierten Mediengebrauch bezeichnet". (Hurrelmann/Elias o. J.; 3) Wieso? Man dürfe annehmen, dass mit dem Lesen verschiedene sprachliche, kognitive und emotionale Lernprozesse eng verknüpft sind": "Lesen ist wahrscheinlich eine unersetzliche, jedenfalls höchst ergiebige Quelle für das sprachlich-begriffliche Lernen, die Entfaltung von Sprachbewusstheit und die Entwicklung des Denkens"; und es rechtfertigten "psychologische Überlegungen die Annahme, dass gerade die Abstraktheit des schriftsprachlichen Zeichensystems und die Langsamkeit des Leseprozesses die Vorstellungsfähigkeit der Rezipienten und ihre Kompetenz im flexiblen Umgang mit Weltansichten fördern." "Das Verstehen fiktionaler und poetischer Literatur schließlich ist u.a. eine dauernde Übung in der Fähigkeit zur Perspektivenübernahme und zur Empathie." (Hurrelmann/Elias o. J.; 3) "Leseförderung" als "Sicherung einer zentralen Kulturtechnik" (Hurrelmann/Elias o. J.; 4); "meint einen möglichst unverschulten Umgang mit Texten (...); "ist auch nicht allein Angelegenheit des Deutschunterrichts"; (Hurrelmann/Elias o. J.; 4). Leseförderung: eine "Vernetzung lesefördernder Aktivitäten" (Hurrelmann/Elias o. J.; 4): da sei "Kontakt zu gesellschaftlichen Institutionen, Projekten und Initiativen der Lesekultur zu suchen"; "auch die modernen elektronischen Medien" könnten "als Instanzen der Lesesozialisation gelten". (Hurrelmann/Elias o. J.; 4) Es seien "offene Arbeitsformen" zu wählen (Hurrelmann/Elias o. J.; 4): "´Lesewerkstatt´" (Hurrelmann/Elias o. J.; 4); "Sachbuchlektüre" (Stichwort: "informierendes Lesen") (Hurrelmann/Elias o. J.; 5); es sei das "literarische" "Lesen zu einem Teil von Schulkultur zu machen"; man möge sich auch "bei Außerschulischen Institutionen der Lesekultur Unterstützung und Anregung holen"; das "Lesen in Verbindung mit den neueren Medien" sei ebenfalls zu fördern - also "eine medienintegrierende Unterrichtspraxis" erstrebenswert (Hurrelmann/Elias o. J.; 5). Dabei seien die Ergebnisse der "Lesesozialisationsforschung" (Hurrelmann/Elias o. J.; 5) zu beachten, insbesondere: die Unterschiedlichkeit der "Erfahrungen mit Literalität" (Hurrelmann/Elias o. J.; 6): "die medienkulturellen Voraussetzungen, die die Kinder in ihren Familien vorfinden", seien "nach wie vor schichtabhängig unterschiedlich"; es "sind Familien in allen Bildungsschichten vielfach belastete und instabile soziale Gebilde"; "die Heranwachsenden" seien "im Zuge der Medienentwicklung keineswegs mehr davon überzeugt, dass man spannende Geschichten wirklich lesen muss". (Hurrelmann/Elias o. J.; 6)

Was spricht gegen (literaturdidaktische) Leseförderung? Hannelore Schlaffers Plädoyer dagegen: "Im Innern der Lese- und Buchkultur selber hat sich der Geist der Zeit eingenistet: Gerade die Institutionen, die damit beauftragt sind, Lesen zu fördern, tun es mit einer Hektik, die es nur verhindert." (Schlaffer 1999; 80) "Die ängstlichen Bemühungen, dem Untergang des Lesens entgegenzuwirken, führen zu symbolischen Handlungen, die nichts als aufgeregte Organisation des Lesens sind. Die Betriebsamkeit um das Buch ist die Demonstration eines guten Willens, der nicht wissen will, welch böse Folgen er hat." (83) "Auch der Buchmarkt, die Dichterlesung, das Kopieren sollen durch Simulation die Teilhabe an der Lesekultur signalisieren." (83) - gemeint ist selbstverständlich die Schlaffersche: die bildungsbürgerliche Praxis der komtemplativen Lektüre: "Die eigentliche Schwierigkeit des Lesens dürfte es sein, ein unscheinbares schwarzes Zeichen in ein inneres Bild zu verwandeln. Illustrationen in Büchern sind Anstöße, diese anstrengung in Gang zu setzen. Die fortwährende Bereitschaft des Computers hingegen, das Auge mit Signalen abzuspeisen, öfrdert den Hunger der Phantasie nach inneren Bildern nicht." (83) - Na denn!

 

Diese Seite im Pathfinder speichern