Pribram, K. H.: Wirklichkeit zwischen Wiedererkennen und Wiedererinnern. Sehen, Hören, Lesen und die Vorgänge im Gehirn:

Kritisch (denke ich, schon 1988) über vermeintliche Unterschiede zwischen dem Lesen der Texte und dem Lesen der Bilder: "Weit verbreitet ist die Auffassung, das Fernsehen verführe generell zu einer passiven Hinnahme von Bilderfolgen, während Lesen das Einbringen zusammenhängender innerer Erfahrungen fördere und zu selbständigem Denken anrege." (Pribram 1992; 46) Ein Argument P.s: "Nicht zu übersehen ist die Tatsache, daß sich ein Leser im Vergleich zu einem Zuschauer in einem komplexen Netzwerk ab-/strakter innerer Repräsentationen zurechtfinden muß, um aus den sprach-logisch gegliederten und notwendigerweise abstrakten Schilderungen des Verfassers ein Bild der Wirklichkeit zu rekonstruieren. (...) Zuschauer, Hörer und Leser klären ihre Kontrolle des Wirklichkeitsbezugs auf unterschiedliche Weise. (...) diese Unterschiede (...) sind auch bei der Analyse der Wirkweise von Bild- und Textmedien anwendbar." (Pribram 1992; 55/56) "Reden, die man hört, oder Texte, die man liest, sprechen innere Repräsentationen sprach-logischer Strukturen und begrifflich kategorisierter Themenbereiche an. Auf ihrer Grundlage werden innere/ Repräsentationen von Gegenstandsbereichen, Gegenständen, Eigenschaften und Gefühlen reaktiviert, erinnert, vorgestellt oder hineingedeutet. Sprachgebundene Informationen appellieren somit an unseren Sinn für Möglichkeiten, die Wirklichkeit durch Aussagen, Meinungen und Urteile zu interpretieren." (Pribram 1992; 56/57)

ABER: Diese Thesen sind nur bedingt anwendbar auf den, damals noch nicht etablierten, Hypertext, da in multimedialen Anwendungen Informationen sowohl als Text als auch Bild dargeboten werden können. Fernsehen und Hypertext sind nicht direkt vergleichbar! (siehe Johnson 1997 )

Forschung darüber: eine "interdisziplinäre Medien-Wirkungsforschung" solle den Aufwand nicht scheuen, "den Stellenwert einzelner Medien und ihrer Programme für die Strukturierung, Anreicherung und Verfügung unserer Repräsentationen von der Wirklichkeit näher zu bestimmen". (Pribram 1992; 58)

 

 

Diese Seite im Pathfinder speichern