Die Medialität kognitiver Prozesse und Strukturen ist in den Wissenschaften selbst ein immer noch weitgehend ignoriertes Faktum: "Die Philosophie", schreibt S. Krämer - und man sollte ergänzen: nicht nur sie - , "ist geprägt durch eine Abstinenz: Sie betrifft die Reflexion der medialen Grundlagen des Denkens und Erkennens. Mit bemerkenswerter Hartnäckigkeit wird, was medial konstitutiv ist, kategorial verleugnet oder marginalisiert." "So blieb die Schrift in nahezu ungebrochener Tradition bloßer Schattenriß der Sprache (...). Implikationen des Buchdrucks, mit denen die Ära der Manuskripte zu Ende ging und eine autorgebundene Identität der Texte überhaupt erst ensteht, sind kein philosophisches Thema. Und der Computer findet Eingang in den philosophischen Disput nur, soweit er in naturalistischer Manier zum Modell von Theorien über den Geist stilisiert wird oder der philosophische Nachwuchs unter der Chiffre ´Künstliche Intelligenz´ ein Exerzierfeld entdeckt, das gerade deshalb so profilierungsgeeignet erscheint, weil die etablierte Philosophie es weitgehend ignorierte." "Und doch: Wer wollte ernsthaft in Frage stellen, daß Medien unsere Weltbilder und unsere Selbstbilder nicht nur transportieren, vielmehr projizieren, also kraft ihrer Eigenstrukturen mitentwerfen."(Krämer 1995; 184ff)