Ort:  Berlin - Charlottenburg

Am Kurfürstendamm (Jürgen Heimlich)

Dramolett zum Hof raus (Carsten Fischbach)

Am Kurfürstendamm


Oh Mann, diese Menschenmassen. Und das an einem Sonntag! Aber ich schlendere recht gemütlich mit einem Fotoapparat ausgerüstet über diese weltberühmte Meile. Beim Gebäude der Berliner Zeitung angelangt überwinde ich mich, und frage eine Berliner Dame, ob sie so freundlich wäre, mich zu fotografieren. "Nee, nee. Fragen se nen anderen." Ich bin perplex. Denke an Daheim. An Wien. Den Wienern sagt man ja nach, launisch zu sein; aber einem Touristen abzuschlagen, ihn zu fotografieren? Aber ich weiß ja, auf wen Verlass ist. Deswegen frage ich sogleich einen Japaner. Der lässt sich nicht zwei Mal bitten. Die Japaner, bitte sehr, sind ja von Natur aus sehr freundliche Menschen, deren Hilfsbereitschaft fast schon legendär ist. Innerlich bin ich aber noch etwas erzürnt über die harten Worte der "Berliner Schnauze". Diese Berliner, denke ich mir. Die können ja oft nicht mal grüßen. Lassen einen als Tourist manchmal ganz schön blöd aus der Wäsche schauen! Endlich erblicke ich die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Bevor ich sie betrete, lasse ich mich noch von einem weiteren freundlichen Japaner fotografieren. Ich bin innerlich berührt, als ich die riesige Jesus-Statue bemerke. Die Blautöne, welche die Kirche dominieren, berühren meine spirituellen Adern . Hier könnte ich mir jeden Sonntag einen Gottesdienst anhören. Diese Stätte fasziniert mich. Ich kann es gar nicht glauben, und bleibe über eine Stunde an diesem Ort. Gegen Mittag gibt es eine kleine Predigt. Es geht um die Wiedervereinigung Deutschlands. Die Schwierigkeiten, die damit verbunden waren. Und das alle an einem Strang ziehen sollten. Den genauen Wortlaut habe ich natürlich nicht mehr im Ohr; aber selten noch habe ich eine derartige Predigt gehört. Die seltsame Berlinerin ist vergessen. Und bald danach finde ich mich im Literaturhaus mit dem schönen Cafe Wintergarten. Dort esse ich recht gut, und unterhalte mich angeregt mit einem Pärchen, das nicht aus Berlin stammt. Wir sprechen die Gottesfrage an. Und von Geistern, die eine Freundin plagen. Ich schwelge danach noch den ganzen Tag von der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Schade, dass ich so weit weg wohne. Aber Berlin ist ja sicher wieder eine Reise wert, wenn es meine Pläne zulassen. 

© Jürgen Heimlich - Internetseite


Neulich abend im Hof

Offene Fenster.
Lautstarkes Streiten.
Zetern.
Jammern.
Vorwürfe.
Wehklagen.
Handelnde Personen: Eine.
Am Telefon, ohrenscheinlich.

Pause.
Stille.

Erneutes Streiten.
Anklagen.
Die Zweite Stimme
ist eingetroffen.
Rechfertigen.
Heulen.
Diskussion.
Jammern.

Pause.
Stille.

Lautstarkes Anklagen.
Rechtfertigen.
Heulen.
Beschwichtigen.
Schluchzen.
Jammern.
Langsam Verebbend.

Anschließend:
Wiedervereinigung.
Röhren wie die Elche.

Carsten, der <°((( ~~<