Ort: blens (bei kreuzau/eifel) / nrw

hexen an der rurtalbahn -
ein stein gerät ins rollen

für eins der rituale waren wir bereit, weiter raus zu fahren und draußen zu übernachten, fuhren zu einem geheimtip einer mitfeiernden mit der rurtalbahn das tal hinauf. irgendwann an einem schwer zu findenden gasthof wurden wir erwartet, mit autos zu den anderswo wartenden weiterbefördert. nach einigen irrwegen fanden wir uns auf einer von einem kleinen wäldchen umgebenen wiese ein, bildeten unseren kreis, stimmten uns ein.

ziel dieses rituals war, die pflanze, die die nächste zeit des jahres bestimmen sollte, zu finden. nach angemessenem einfinden in meditative stimmung zogen wir einzeln los, liessen uns über die wiese treiben, wohin göttin uns führte.

ich schlenderte ohne ziel, begegnete hier und da einer anderen, zupfte hier und da ein hälmchen nach kurzem innehalten.
plötzlich, ein gestrüpp zog mich wie magisch an. ich stöberte im unterholz, wagte mich an brennesseln vorbei.

da, wusste ich es doch! ich fand - einen knollenblätterpilz, nahe bei einem weiteren, der am stiel gebrochen war. ich bückte mich, brauchte ich diesen pilz doch nicht mit gewalt zu nehmen, bekam ihn - er war bestimmt gemeint - quasi geschenkt.
sein hut lag einfach so da. ich brauchte ihn nur aufzuheben.
was ist das?! irritiert und fasziniert fiel mein augenmerk auf einen kiesel, einen stein, der sich hinter dem pilz verbarg, durch den hut vor der außenwelt abgeschirmt gewesen war. ich aber sollte ihn sehen, sollte ihn finden.

es war wie vorsehung. wie in trance nahm ich den stein auf, umfasste ihn mit der hand, befühlte dieses erstarrte leben und fühlte es. er pulsierte, SIE pulsierte! beinahe ließ ich den stein wieder fallen, aber nur beinahe. es war, als schaue mich der kiesel durch die umschließende hand an.

es schien, als sollte ich keine pflanzen finden, die mich die nächste zeit unterstützten. nein, ein kraftstein war es, dieser stein der macht. ich schaute hin, öffnete die hand und betrachtete mir meinen geheimnisvollen fund genauer. was ich sah, war erschauernd und faszinierend gleichzeitig. ich hatte einen winzigen schädel gefunden, so deutlich war die form. es war eindeutig ein stein, aber auch die form war glasklar zu erkennen.

der kiesel schaute mich aus toten augen an, mit macht, sah aus wie ein eingetrockneter hexenschädel aussehen mag, verschrumpelt wie ein winzig kleiner schrumpfkopf und versteinert.
der zwergenhafte totenkopf wirkte auf mich wie eine talisfrau, die in eben jenem gebüsch versteckt ward, geborgen, bis eine berufene sie finden würde, ich.

wie es frau so zufällt, mein magisches schutz- und handwerkszeug erweiterte sich mal wieder, zeigte mir die nähe zu parapsychischem geschehen, die ich nach all den jahren noch hatte und habe. sorgsam nahm ich den kostbaren fund in beide hände, umschloss ihn in meiner künstlichen höhle und trug ihn, sie, voll stolz zu den anderen. vor allen war ich ausgezeichnet, doch wunderte mich, dass niemand die schönheit meiner gabe sah. nur entsetzen und nervosität, nur angst vor der ausstrahlung, die weiter spürbar war als durch blosses berühren erfahrbar. niemand außer mir schien bereit, ihre kraft auszuhalten, in händen zu halten. niemand außer mir fand die berührung der talisfrau lustvoll und angenehm.
ich genoss das prickelnde gefühl vorerst, hatte aber durchaus respekt vor dem, was sie mich spüren ließ.

wir brachen bald auf, übernachteten nicht draußen, weil es doch zu kühl war und leicht regnerisch. ich nahm meine beschützerin mit zu mir nach hause, zu meiner sich fortsetzenden steinesammlung auf meiner fensterbank und setzte sie zur abschreckung böser geister und menschen sichtbar dorthin. eines tages, in meiner steineflut, war sie wie vergessen, gebannt, voll verlorener kraft, in schach gehalten von den anderen, die von fernen orten berichten und zu neutralisieren wissen?

mein legendärer schlechter ruf vermehrte sich seit jenem ritual, kaum spürbar für mich; der grundstein für kommende intrigen war gelegt.

 

© Myrite Maduse - Im Netz