Ort: Freiburg im Breisgau

Die schönste Stadt der Welt

Napoleon hat in Freiburg übernachtet. Rainer Maria Rilke wäre einmal fast nach Freiburg gekommen, für einen Kuraufenthalt.
Und Til Schweiger?
Til Schweiger wurde in Freiburg geboren. 1963. Im Ernst.
Und? Ein Festtag zu Ehren Napoleons, ein Mal im Jahr? Ein Freiburger Rilke-Archiv? Oder wenigstens ein Mal im Monat eine Schweigerminute?
Fehlanzeige.
(Der Einzige übrigens, der zumindest Rilke in angemessener Weise zu würdigen - oder zu nutzen weiß, ist Herr Bader, Inhaber der Buchhandlung 'Zum Wetzstein' in der Salzstraße; bevorzugt Rilke-Gedichte zieren dort die Schaufenster, handgeschrieben von Herrn Bader persönlich.)
Womit andere Städte sich schamlos herausputzen würden, das nimmt die Stadt Freiburg nicht wirklich zur Kenntnis.
Braucht sie auch nicht. Hat sie doch gar nicht nötig.
Denn Freiburg ist die schönste Stadt der Welt.

Aus allen Ländern kommen sie: junge Menschen, die an der Universität oder an einer der Hochschulen Freiburgs ein Studium aufnehmen wollen. Fußballfans, die sich dem SC Freiburg mit Leib und Seele verschrieben haben. Und sommers wie winters drängeln sich Menschen aus allen Nationen durch die Freiburger Altstadt: Norddeutsche, Ostdeutsche, Schweizer, Spanier, Italiener, Holländer, Schweden, Engländer, sogar Amerikaner. - Und die Franzosen? Die scheinen sich ohnehin noch nicht im Klaren darüber zu sein, dass die Stadt ihnen nicht mehr gehört.

Der Einheimische kennt das sehnsüchtige Flimmern in den Augen der Menschen, denen er beiläufig berichtet, dass er in Freiburg im Breisgau lebt:
Die Stadt des milden Klimas. Die Stadt mit dem saubersten Wasser. Die Stadt mit der gründlichsten Mülltrennung. Die Stadt mit dem besten Wein. Die Stadt mit dem Münster, dem gotischen Meisterwerk. Die Stadt mit dem ewig verregneten Zelt-Musik-Festival, wo nur die crème de la crème der Musikszene auftritt. Die Stadt mit dem Bertoldsbrunnen, dem laut schlagenden Herz der Innenstadt, wo man sich verabredet, trifft oder einfach nur ausstellt. Die Stadt mit dem schweigenden, eindrucksvollen Münsterplatz und dem pulsierenen Augustinerplatz. Und die Stadt mit den Bächle, ach Gott ja, die Bächle: Und wenn man aus Versehen in eines hineintritt, wird man ein 'Freiburger Bobbele' heiraten. Müssen.

Ich kann's nicht mehr hören! Im Ernst.

Als ich nach meinem Umzug das erste Mal von Bremen nach Freiburg fuhr, um meiner Heimatstadt einen kurzen Besuch abzustatten, fragte mich - kurz vor Osnabrück - der Kartenabstempler im Zugabteil: "Freiburg? Ist das noch Franken oder schon Bayern?"
Ich starrte ihn hoffnungsfroh an und bemerkte erstaunt: "Baden-Württemberg."
Er aber meinte mit halbherzigem Schulterzucken: "Ach, wissen Sie, das da unten alles ist für uns wie Afrika."
Und ich lächelte ihn an.

 

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