Ort:  Leipzig

Dank sei der ZVS (Conny)

Modernes Geben und Nehmen (David Riha)

Mich ritt die schöne Kellnerin (Henry-Matin Klemt)


 

Dank sei der ZVS! Leipzig - sagte ich meiner Mutter. Oje - antwortete sie. Soviel dazu, wie ich dank der ZVS zu meinem Studienplatz kam. Mir war es insofern recht, da ich weit weg von der bayerischen Provinzidylle ein ganz neues Leben kennenlernen wollte und sollte. Inzwischen habe ich aus anderen Gründen gewechselt zurück nach Bayern. Und was sagt meine Mutter jetzt: Leipzig, wir wollten Dich noch so oft besuchen kommen. Wir haben doch die Stadt liebgewonnen. Ich auch.

© Conny


modernes Geben und Nehmen

Oft wenn ich P. anrufe, klagt er, wie schwierig das alles sei, die Arbeit,
das Kunstschaffen, Seelenkotzen auf der einen Seite, die Streitigkeiten mit
seiner Alten, die Hypothek auf dem Haus auf der anderen Seite, keine Zeit mehr,
nur Gehetze, gestern zum Beispiel habe er... 

Das ist gewöhnlich die Stelle, wo ich den Hörer wie einen Kinderkopf an meine Schulter drücke, sanft über die schwarze, matt glänzende Plastik streichle und seine Worte wie ein Schluchzen in meinen Pullover rinnen lasse. Hat er sich später erleichtert verabschiedet,
blase ich den Rauch aus dem Fenster in das Schweigen, das über den Dächern liegt.

© David Riha


Mich ritt die schöne Kellnerin

ICH SCHWEBTE den Hemisphären ihrer Brust entgegen, im Trab erst, im Galopp, bis Eutritzsch bebte. Wir liebten nicht. Wir kamen uns gelegen. Sie presste ihre Knie in meine Weichen, griff nach dem Pflock und ließ sich darauf nieder. Ins weiche Bauchfell brannt ich ihr mein Zeichen, schrieb zwischen ihre Lippen meine Lieder. Sie ließ mich lächelnd meinen Mythos kneten und nahm es, wie´s uns kam. Wenn sie sich sehnte nach etwas Dauer, hat sie´s gut verborgen. Als wir uns ausgeschöpft, war´s noch nicht Morgen. Ich werde warten, log ich, und sie gähnte. Mein Zimmer hat sie niemals mehr betreten.

© Henry-Martin Klemt - im Netz