Ort:  Marburg

Backsteinstrassen

Sonne und gruene Wiese des Sommers, des Fruehlings, die Farben des Herbstes sind vergangen. Winterzeit liegt ueber dieser Stadt, ueber den Huegeln, ueber dem schlammigen Fluss. Dunkel und trostlos ziehen die beiden Backsteinstrassen sich durch die winzige Oberstadt. Auf Postkarten sprechen Tote, was sie von diesem Orte halten, Beruehmtheiten moege hier zu Hause gewesen sein, Kant, die Gebrueder Grimm, doch was nutzt dieses, wenn November, wenn Winter ueber der Stadt liegt. Das neue Cineplex, das riesige Kino verstrahlt seinen Neonglanz. Wie jeden Tag kreisen die Raben ueber die Stadt, hin zur Alten Uni mit dem einen zerbrochenen Fenster.
Wie majestaetisch altertuemlich sieht ihr grosser Saal aus. Kniefall vor dieser Majestaet! Das Wetter betruebt, die muffenden Strassen beengen; hier im hohen Norden, in dieser glanzvollen Stadt an dieses kleine Nest zu denken laesst unbegreiflich erscheinen, wie es je geliebt werden konnte.
Und dann flammt die Erinnerung auf den den herrlichen Herbst, den Goetterherbst. Vom Zimmer in der Oberstadt die sanften Huegel in ihren leuchtenden Farben zu sehen, wie Fluss und Strasse sich durch und hinter die Huegel winden und Regenschirme im Regen flanieren und Bussen hinterher jagen. Eine schoene Stadt ist es nicht, einen unvergesslichen Herbst hat sie bereitet.

© Kathrin Froehlich