Schwerte
Wieder mal im Zug. Drei Frauen vor mir, etwa 45, drei Männer links von mir, die Ehemänner der Frauen, genauso alt. Klischees werden wahr. Die Frauen, zwei blond, eine brünett, sorgfältig geschminkt und mit Modeschmuck in den Ohren, trinken Likör und Sekt, reden über die Hausaufgaben ihrer Kinder, Big Brother („Der Huy, der ist so süß“) und ihre Arbeitskollegen. Die Männer, alle mit mittelgroßen Bäuchen, Strickpullovern darüber und Baumwollhosen darunter, essen kleine Wurst- und Käsestücke aus Tupperdosen, trinken Bier und einen „Kleinen Feigling“ nach dem anderen. Sie sprechen über ihre Berufe, über Fußball und die Maul- und Klauenseuche. Sie alle fahren aus irgendwelchen Gründen zusammen nach Köln, vielleicht für einen Kneipenbummel oder eine Tour durch Museen, und ich denke: noch 18 Jahre, ich bin noch 18 Jahre von all dem entfernt. Ich habe noch 18 Jahre.
© Anonym