Wetzlar
Ich bin mit dem Bus hergekommen, lange Stunden durch die frische Schneedecke
auf der Autobahn. "Prost, Alter", haben sich die Männer im Bus
zugerufen und sich dazu dicke Scheiben von ihrer Salami abgeschnitten.
Einer hatte sogar eine Fleischwurst dabei. Die Frau auf dem Platz vor mir hat
sich eine Zigarette nach der anderen angesteckt. Ihre schwieligen Finger waren
schon ganz gelb vom Rauch, ihre Stimme tief und kehlig. Der Rauch brannte in
meinen Augen, die Frau lachte rauh über jeden Witz, den die Männer in die
Runde gaben und kommentierte jede abgeschnittene Wurstscheibe. Es roch nach Bier
und Zigaretten. Ein Mann mit einem blauen Fanschal um den Hals sagte:
"Jetzt fängt der schon wieder an da hinten. Der ist immer am rumstänkern.
Immer am rumstänkern ist der. Jetzt fängt er wieder an. Ich kanns nicht mehr
ab. Der ist auf jeder Versammlung am rumstänkern." Ich versuchte zu
schlafen, trotz der Musik von den Vengaboys und Mickie Krause und weiß Gott vom
wem noch, aber die vielen Menschen um mich herum, die "Titten" sangen
und Fleischwurst aßen und Bier tranken hinderten mich daran. Ich kann nicht schlafen mit all den Stimmen und dem Wurstgeruch um mich herum.
--- Das Spiel war schön, aber mit Wetzlar werde ich nie die Stadt, sondern immer die Menschen im Bus auf der Fahrt dorthin verbinden. Morgen gehe ich mir einen Fanschal kaufen.
© Simone Cegelski